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Vierecke

Woche der Brüderlichkeit 2000
Rede des Bürgermeisters Benedikt Ruhmöller

"Es erstaunt und erfreut mich, daß die Aktivitäten in Ahlen eine verlorene Jüdischkeit erhalten helfen, die ja eigentlich - da es keine jüdischen Bürger mehr in Ahlen gibt, und wohl auch für lange Zeit nicht wieder geben wird - im Orkus der Zeit verschwunden scheint. Meinen Dank für diesen Erhalt kann ich nicht in Worte fassen, da mich bei jeglichem Verbalisierungsversuch ein übermächtiges, beinahe schmerzhaftes Berührtsein befällt, das aus quälender Erinnerung und verblüffter Bewunderung zusammengesetzt ist." (Hildegard Offele-Aden)
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Herr Pfarrer Könning,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

gestatten Sie, daß ich diese Veranstaltung zur Eröffnung der "Woche der Brüderlichkeit 2000" mit einer Danksagung beginne. Zudem mit einer Danksagung, die nicht von mir stammt. Frau Hildegard Offele-Aden erhielt letzte Woche einen Brief, und sie hat mir ausdrücklich gestattet, daraus einige - folgende - Sätze zu zitieren:

Es erstaunt und erfreut mich, daß die Aktivitäten in Ahlen eine verlorene Jüdischkeit erhalten helfen, die ja eigentlich - da es keine jüdischen Bürger mehr in Ahlen gibt, und wohl auch für lange Zeit nicht wieder geben wird - im Orkus der Zeit verschwunden scheint. Meinen Dank für diesen Erhalt kann ich nicht in Worte fassen, da mich bei jeglichem Verbalisierungsversuch ein übermächtiges, beinahe schmerzhaftes Berührtsein befällt, das aus quälender Erinnerung und verblüffter Bewunderung zusammengesetzt ist.

Diesen Brief, aus dem ich zitieren darf, schrieb Imo Moszkowicz. Ein Angehöriger jener jüdischen Familie aus Ahlen, der von Therese Münsterteicher während der Judenverfolgung in der Nazi-Zeit tapfer und aufopferungsvoll, unter großer Gefahr für das eigene Leben, geholfen wurde.

Imo Moszkowicz bedankt sich in dem Brief für die Pflege des jüdischen Friedhofes und des Grabes von Therese Münsterteicher durch Schüler/innen der Geschw.-Scholl-Schule und des Gymnasiums St. Michael sowie durch Ehepaar Aden. Er schreibt weiter an Frau Offele-Aden:

Die Pflege und die Patenschaften für den jüdischen Friedhof, sowie der Grabstätte von Tante Tres'chen, sind von biblischer Größe; die Totenruhe ist in meiner Religion so ungefähr das Heiligste. Übermitteln Sie bitte den Initiatoren meine allergrößte Hochachtung, den jungen Menschen meine restlose Bewunderung. Sie beweisen, daß die immer vage Hoffnung auf eine positive Änderung im christlich/jüdischen Verhältnis doch kompakte Realität werden kann. Gibt es für mich, für uns alle, ein schöneres Ziel? Es ist die Erfüllung eines Traums, der selbst nach dem Erwachen gegenwärtig bleibt.

Ich freue mich sehr, Frau Offele-Aden, daß Sie mir die Gelegenheit geben, diesen Dank - der uns in seiner Herzlichkeit und seiner Tiefe fast beschämen muß - weiterzugeben.

Und wenn mir auch die Worte fehlen, mit denen uns Imo Moszkowicz so ergreifend anspricht, so möchte ich doch als Bürgermeister von Ahlen seinen Dank an all diejenigen bestätigen und unterstützen, die sich in dieser Stadt aktiv für die Erinnerung an die schlimmste Zeit unserer Geschichte, für die Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse und für ein gutes Verhältnis zwischen Juden, Christen und anderen Kreisen einsetzen.

Daß die diesjährige "Woche der Brüderlichkeit" (wie bereits im vergangenen Jahr) in einer katholischen Kirche eröffnet wird, das zeigt uns, daß der Gedanke der Verständigung zwischen Christen und Juden innerhalb der katholischen Kirche auch über 50 Jahre nach Gründung des bundesweiten Koordinierungsrates für christlich-jüdische Zusammenarbeit immer noch aktuell ist.

Vielleicht ist dieser Gedanke sogar aktueller denn je - angesichts des zufällig heute im Petersdom vorgetragenen Schuldeingeständnisses des Papstes für die Verfehlungen der Kirche: für die teilweise grausamen Verfehlungen bei den blutigen Kreuzzügen, der Inquisition, den gewaltsamen Missionierungen, für die Sünden des Hasses und der Verfolgung der Juden und des viel zu schwachen Aufbegehrens der katholischen Kirche gegen Faschismus, Nationalsozialismus und Judenmord.

 

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